en gewisser Radionuklide, noch nachweisen lassen. Insgesamt acht Bodenproben wurden daher in den Laboratorien der PTB nach allen Regeln der Messkunst untersucht.

Manche Radionuklide „verraten“ sich durch eine typische Gammastrahlung, die beim Zerfall der Atomkerne auftritt. Die PTB-Wissenschaftler nahmen daher zunächst die Gammaspektren der Proben unter die Lupe. Das Resultat: Alle gemessenen spezifischen Aktivitäten (Anzahl der radioaktiven Zerfälle pro Zeit, bezogen auf die Masse des Probenmaterials) sind gering und stammen vorwiegend von natürlich vorkommenden Radionukliden. Als künstlich erzeugtes Radionuklid konnte in den Proben nur Cs-137 nachgewiesen werden. Die für dieses Nuklid gefundenen Aktivitäten, für die vor allem der Reaktorunfall in Tschernobyl verantwortlich ist, liegen im Rahmen der überall in Deutschland zu findenden Bodenkontaminationen. Gerade Tschernobyl hat auch in Deutschland zu einer großen lokalen Variabilität der Bodenkontamination mit dem Radionuklid Cs-137 geführt. Die Belastungswerte variieren innerhalb Deutschlands sehr stark, je nachdem, wie viel Cs-137 durch Regen aus der kontaminierten „Tschernobyl“-Wolke ausgewaschen wurde.

Nach dieser gammaspektrometrischen Analyse wurden im zweiten Schritt speziell die Uranaktivitäten der Proben radiochemisch untersucht. Hintergrund: Eine explodierende Kernwaffe, für die hoch angereichertes Uran benötigt wird, müsste in der näheren Umgebung das natürliche Verhältnis der Uranisotope U-235 und U-238 verschieben. (Das natürliche Aktivitätsverhältnis besagt, dass auf 1000 Zerfälle von U-238 etwa 46 Zerfälle von U-235 kommen. Nach der Explosion einer Kernwaffe müssten deutlich mehr Zerfälle von U-235 zu finden sein.) Für jede Probe wurden daher drei Parallelanalysen an Untermengen von jeweils einigen Gramm durchgeführt. Die Aktivitäten der Uranisotope wurden durch die Messung der Alphastrahlung der Probenpräparate bestimmt. Um die Aktivitätsverhältnisse der Uranisotope U-235 und U-238 sicher bewerten zu können, wurden die Messzeiten für jede einzelne Probe auf mehrere Monate ausgedehnt. Auch hier ergaben die Messungen keinen Hinweis auf eine Kernexplosion: Die gemessenen Aktivitätsverhältnisse beider Uranisotope stimmen im Rahmen der Messunsicherheit mit dem natürlichen Aktivitätsverhältnis überein.

Die PTB-Untersuchungen an den vorliegenden Bodenproben sind somit abgeschlossen: Insgesamt ergaben die Radionuklidanalysen keinerlei Hinweis auf eine Kernexplosion im thüringischen Ohrdruf. Die Bodenproben zeigen lediglich Kontaminationen, die unter anderem auf den Reaktorunfall in Tschernobyl zurückgehen. Ein wissenschaftlicher Gegenbeweis zum behaupteten Kernwaffentest am Ende des Zweiten Weltkriegs kann aber weder mit dieser noch irgendeiner anderen Stichproben-Analyse erbracht werden. Eine endgültige Bewertung der historischen Zusammenhänge ist damit weiterhin offen.
(ptb)

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