Fred Wander - Überlebender von S III

Bereich für alle auf Personen bezogene Berichte, Fragen etc.

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Beitragvon ute » Freitag 13. Oktober 2006, 17:51

danke für die info,sehr interresant. werde frau wander in meinem nächsten brief nach noch etwas angefangenem von ihm fragen. du sagtest ,,der rausschmiss usw. wo hast du das gelesen ?

ich denke , das waren wohl seine schlimmsten erinnerungen , jonastal , crawinkel.
die häftlingsakten, welche ich mir durchgelesen habe, und das waren nicht wenige machen dies auch deutlich. es heisst darin , auschwitz war schlimm, aber ohrdruf, crawinkel war schlimmer , die hölle. kaum zu glauben , aber es war so. deshalb immer daran erinnern, sowie auch weiterhin sich interresieren und forschen, im jonastal auch was stollen angeht. ich denke es geht alle an.
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Beitragvon Joe » Freitag 13. Oktober 2006, 18:18

ute hat geschrieben:wo hast du das gelesen ?


Das hat er mal in einem Brief an mich geschrieben. In seinen Büchern habe ich es nicht gelesen, das hat er da wohl nicht erwähnt.
Gruß
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Beitragvon Ingwer » Freitag 13. Oktober 2006, 21:12

Hallo...Joe,

Was mir schon lange auffällt, ist einfach der Umstand, dass alle Jene, die als
Beteiligte von OLGA (Häftlinge, Zwangsarbeiter usw.) davon berichten, wie schlimm es war.
Ich habe aber noch nicht gelesen oder zur Kenntnis genommen, dass auch nur einer der Berichtenden einmal klipp und klar aussagt, an was dort gebaut wurde oder was genau an verschiedener Stelle vorangetrieben wurde und welchem Zweck diese Baustelle diente.
Wirklich sehr merkwürdig !
Alle Beteiligten waren vor Ort ! Niemand könnte besser über die Geschehnisse berichten, als Augenzeugen oder am Bau Beteiligte.

Was ist nun Sache...?

Man könnte sich ja auch einen Reim darauf machen.

Auf eine Antwort bin ich ja gespannt.
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Beitragvon Joe » Samstag 14. Oktober 2006, 11:04

Nein, dass stimmt so nicht. Es gibt relativ ausführliche Berichte darüber, was der einzelne gearbeitet hat. " ....musste Steine verladen... auf LKW, haben wir dort oder dort abgeholt, die Fahrt dahin dauerte so und so lange usw..."

Allerdings hat sich wohl niemand hingestellt und den Häftlingen gesagt, an was da nun gerade gearbeitet wird. Es gab eindeutige Befehle, dass nur jeder das wissen darf, was er zur Erledigung seiner Aufgaben wissen muss. Das galt für alle Beteiligten, egal ob Soldat, Zivilarbeiter, Fremdarbeiter, Häftling oder Major. Und man wollte wohl auch nicht durch zuviel Wissen auffallen, denn dann war man vielleicht plötzlich verschwunden.
Manchmal haben sich die Häftlinge in Gesprächen etwas zusammengereimt, das konnte stimmen - oder auch völlig falsch sein.
Durch die Verlegungen in andere Lager konnten einige parallelen ziehen und hatten so Vergleichsmöglichkeiten. Aber ob das, was da gedeutet wurde auch so stimmt, konnte niemand mit Sicherheit sagen.

Nicht zuletzt hatte jeder Häftling eben hauptsächlich mit dem eigenen Überleben zu kämpfen. Wo und wann gibt es Essen, Trinken, Wärme, Kleidung usw. Da bleibt, bei der völligen Entkräftung, den täglichen Eindrücken (Tote, Kranke, Gestank, Ungeziefer, Kälte, Hunger, Schläge usw.) eben nicht viel Raum zum Nachdenken.

Manche wussten doch noch nicht einmal, wo sie sich befanden.

Für mich ist da nichts Geheimnisvolles dran.
Gruß
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Beitragvon Hans-Jürgen Räppold » Samstag 14. Oktober 2006, 11:22

[bart]
Hallo Joe, ich kann dir nur beipflichten. Man wird sich gehütet haben, dass die Häftlinge nur die geringsten Vermutungen anstellen konnten. Zum anderen - wie Du bereits erwähntest - wurden die Häftlinge meist zum Einsatzort "gefahren", wobei jeder aufpassen musste, dass er den "Transport" überlebte und die Arbeit fand ja auch unter Tage statt und war ja "nur" die Vorbereitung für das eigentliche Vorhaben. Die paar Worte oder Wortfetzen, die sie vielleicht aufschnappen konnten, haben die meisten wahrscheinlich weder ein- noch zuordnen können; und vergessen wir nicht - die Häftlinge hatten wirklich andere Sorgen als zu überlegen. welchem Zweck die Stollen usw. dienen sollten. Vergessen wir weiterhin auch nicht die Aussagen von Zivilarbeitern, dass die einzelnen Gewerke abgeschirmt waren und nur mit speziellen Ausweisen betreten werden durften; da hat sich mit Sicherheit jeder Posten gehütet, auch nur das geringste verlauten zu lassen.
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Beitragvon Ingwer » Samstag 14. Oktober 2006, 11:40

Hallo...
Da möchte ich Euch Beiden widersprechen. Unter erhärteten Bedingungen, das stimmt allerdings, hatte Jeder mit sich selbst zu tun.
Doch Eines hat schon immer funktioniert: Der Buschfunk ! Nachrichten verbreiten sich schneller, als jedes Verkehrsmittel.
Das haben Überlebende aus Buchenwald direkt so bestätigt. Da hilft
auch Abschottung nicht viel. Etwas sickert immer durch.

Für mich bleibt an der ganzen Veranstaltung etwas im Nebel.
Etwas stimmt da nicht !
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Beitragvon Joe » Samstag 14. Oktober 2006, 12:15

Das der Buschfunk funktionierte ist ja nicht ausgeschlossen. Doch ob der Inhalt auch stimmte, kann keiner überprüfen. Das hast du auch heute noch so.
Und wenn der Buschfunk sagt, wir bauen Stollen für V-Waffen, kann das stimmen, oder auch nicht. Selbst bei einigen Schwalbe-Anlagen gibt es Häftlingsaussagen, dass man Stollen für V-Waffen gebaut hat.
Nur sollte da Benzin hergestellt werden.
Wer kann denn überprüfen, ob und woher derjenige die Informationen hat?
Das wird wohl in den seltensten Fällen gelingen.
Und noch was: Hast du schon mal versucht, mit seit Tagen leerem Magen und einer echten Grippe die Zeitung zu lesen?
Gruß
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Beitragvon ute » Samstag 14. Oktober 2006, 18:34

,,überall auf den hügelkuppen,die ganze schlucht entlang,wurden senkrechte luftschächte in den fels getrieben. das heer der sklaven riss dem berg tiefe löcher in die flanke,zu welchem zweck?......
unterirdische fabriken für raketengeschosse? aus der siebente brunnen, von wander.

sie sprachen von loren füllen und schieben, schachtarbeiten, waren beim gleisbau eingesetzt, und dergleichen, sprengladungen anbringen hab ich auch mal gelesen,
ich denke das ein grosser teil der häftlinge nichts wusste .

hallo joe , wann hast du denn mit freed wander kontakt gehabt ?
hat er noch was zum tal oder crawinkel gesagt ?
habe beim zdf nach einer doko gefragt. seine frau schrieb mir davon. er war 1986 im tal, im stollen, und es wurde ein film gemacht
hab aber noch keine antwort vom zdf. ,, die marlitt oder tod in arnstadt,,
heisst die doku. kennst du das ?
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Beitragvon Joe » Samstag 14. Oktober 2006, 19:49

Hallo Ute,
das ist schon ein paar Tage her. Über den weiteren Inhalt werde ich aber hier nichts sagen, sorry.
Hosny und Fitzke haben einen Film über das Jonastal gedreht.
Er hat den Titel: Das letzte Führerhauptquartier - Projekt Olga in Thüringen.
Dieser Film wurde 1991 vom ZDF ausgestrahlt.

Falls du mit Hosny reden willst, schick mir ne pm.
Gruß
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Beitragvon Joe » Samstag 14. Oktober 2006, 19:56

Und noch zu dem Film:

Die Marlitt oder Tod in Arnstadt

Arnstadt ist die älteste Stadt Thüringens. Berühmt wurde eine ihrer Töchter, Eugenie John, die "Marlitt", eine Bestseller-Autorin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ihre Gesellschaftsromane wurden zuerst in der "Gartenlaube" veröffentlicht. Der Film lässt uns einen Blick in ihre Handschriften ebenso wie in ihre Villa werfen, ein Geschenk ihres Verlags übrigens. Ihr Grab liegt am Rande der Stadt. Und noch ein anderer berühmter Bewohner Arnstadts wird vorgestellt, der junge Johann Sebastian Bach, dem ein eigenwilliges Denkmal gewidmet ist, das nicht nur Zustimmung findet. Dass der junge Bach hier nicht nur komponierte, bezeugt ein Bericht über einen Raufhandel. Die vielen alten Fachwerkhäuser werden von Liebfrauen- und Bachkirche überragt. Eine Puppensammlung stellt uns das Leben und Treiben in Arnstadt vor 200 Jahren vor Augen. In der Bibliothek des Olearius, eines Gelehrten des 17. Jahrhunderts, befindet sich ein nur 15-seitiges Kirchenliederbuch Martin Luthers. Und auch die Kunst des Glasschleifens ist in Arnstadt zu Hause, wie die vielen herrlichen Werke beweisen. Aber nicht nur Stimmung und Nostalgie bestimmen den Film. Denn in der Nähe von Arnstadt befand sich ein Außenlager des KZ Buchenwald. Ein ehemaliger Häftling führt über das Lagergelände, das heute weitgehend verwachsen ist, und in die Stollen, welche die Häftlinge in den Felsen treiben mussten, die damals zu dieser Arbeit eingeteilt wurden.

Laufzeit: 30 Minuten
Produktionsland: D
Produktionsjahr: 1987



Den Film bekommst du vielleicht über den Landesmediendienst.

Gruß
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Beitragvon ute » Sonntag 15. Oktober 2006, 17:32

danke joe, olga hab ich. marlitt ist mir bekannt und auch bach. naja ,ich werde den film schon noch bekommen. danke für deine info.
dein brief von wander macht mich neugierig, aber es ist dein privates.
ist ok
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Beitragvon kps » Sonntag 15. Oktober 2006, 18:06

Joe hat geschrieben:Die Marlitt oder Tod in Arnstadt

...Ein ehemaliger Häftling führt über das Lagergelände, das heute weitgehend verwachsen ist, und in die Stollen, welche die Häftlinge in den Felsen treiben mussten, die damals zu dieser Arbeit eingeteilt wurden.

Laufzeit: 30 Minuten
Produktionsland: D
Produktionsjahr: 1987



Den Film bekommst du vielleicht über den Landesmediendienst.

Gruß
Joe


Hallo Ute, Joe hat es doch bestätigt und du hattest Recht. Der o.g. Häftling war mit Sicherheit Fred Wander. [-<5>-] Bleib bitte dran und übe dich noch etwas in Geduld.

MfG
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Beitragvon Joe » Sonntag 15. Oktober 2006, 20:17

@Ute: Falls du noch mehr über Maxi und Fred Wander wissen willst, setze dich doch mal mit der Autorin dieser Seite in Verbindung.
http://www.tuckerland.de/asi/index.htm
Mailadresse steht drauf.
Gruß
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Beitragvon kps » Montag 16. Oktober 2006, 05:40

Hatten wir bzw. Ute schon [-<5>-]

MfG
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Beitragvon ute » Montag 16. Oktober 2006, 21:40

ich war auf ihrer seite . wir hatten kurz kontakt. danke
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Beitragvon ute » Samstag 21. Oktober 2006, 15:30

hallo, kurz zur info, habe frau wander unsere zeitung geschickt mit der bitte , ihren eindruck zum inhalt der zeitung zu schreiben.
sie war erfreut und wies mich darauf hin, das der name ,,wander ,, kein pseudonym und kein künstlername ist, sondern sein einziger name ist, welcher auch in seiner geburtsurkunde steht.
ich muss dazu bemerken , selbst in akten aus dem archiv in buchenwald geht der name ,rosenblat hervor.

fred wander ist sein einziger und richtiger name.

ich bitte um nachsicht, wenn es in meinem bericht anders steht.
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Beitragvon Ingwer » Samstag 21. Oktober 2006, 16:11

@Hallo...Gschwendnerin,

Namen zu ändern kommt in der Geschichte gar nicht wenig vor.
Das sollte man nicht so eng sehen. Davon haben Juden sehr oft Gebrauch gemacht. Vielleicht ja auch zu ihrem Schutz oder was auch immer.
Doch da sind diese ja nicht allein.
Wenn Menschen abtauchen (müssen), dann erscheinen sie oft mit
neuem Namen oder anderer Identität.
Fred W. wird schon seinen Grund dazu haben (wenn dies zutrifft).


Grüsse



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Beitragvon Silko » Samstag 21. Oktober 2006, 21:00

Ist Fred Wander ein Pseudonym? Denn vor dem Krieg hießen sie ja Fritz Rosenblatt.
Fred Wander: Mein Familienname Fritz Rosenblatt wurde 1950 amtlich geändert in Fritz
Wander (Künstlername Fred). Rathaus Wien, Standesamt


aus: Kuehs/Marsching: Interview mit Fred Wander (2000)

Quelle: http://www.literaturepochen.at/exil/mul ... erview.pdf
Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen. (Erasmus von Rotterdam)
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Beitragvon kps » Sonntag 22. Oktober 2006, 19:42

Danke Silko - dies sehe ich auch so. Es ist überall so nachzulesen. Es hätte keinen Sinn gemacht, den Namen Wander in einen typisch jüdischen Namen zu ändern, nur um sich zu verstecken. Sicherlich gibt es für alles entspr. Beispiele, aber unter bleibenden Eindruck von Schindlers Liste am WE ist es dann doch nur nebensächlich.

MfG
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Re: Fred Wander - Überlebender von S III

Beitragvon ute » Mittwoch 20. Februar 2013, 12:50

habe immer noch kontakt zu susanne wander und bin froh darüber. einiges was zum fred wanders leben geschrieben wurde stimmt nicht. fred wander hat sich oft empört über manche behauptungen zu seiner person. auch das die leute einfach geschrieben haben ohne ihn zu fragen.
herr wander hatte seinen namen geändert. der alte name ,, fritz rosenblatt,, wurde aus allen dokumenten gelöscht, und bei strafe durch österreichische gerichte darf niemand diesen namen verwenden. herr wander erhielt neue papiere mit dem einzig gültigen namen wander. dieser name ist kein künstlername sondern ein amtlich eingetragener geburtsname. niemand ist erlaubt einen anderen als diesen namen zu nennen.
es gab nach dem krieg jede menge antisemiten und auch heute noch genug neonazis. fred wander hat genug gelitten. er wollte sich schützen.
hilfs und gelegenheitsarbeiten verrichte fred wander nur in frankreich während seiner emigration.
wanders waren nicht aus ideologischen gründen oder aus bewunderung für die ddr dorthin übersiedelt, sondern aus wirtschaftlichen gründen. der aufenthalt sollte immer nur vorübergehend sein. fred wander hat in ,,der siebende brunnen,, nicht seine leidenszeit beschrieben, sondern menschen die er gekannt hatte und die ermordet wurden mit dem buch ein literarisches denkmal gesetzt.
auch ich habe in meinem bericht über wander fehler gemacht und werde ihn überarbeiten.
ich respektiere die ausführungen von susanne wander zu ihrem mann fred wander und bin froh gefragt zu haben bevor ich erneut schreibe.
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Re: Fred Wander - Überlebender von S III

Beitragvon Ramsay » Donnerstag 5. Januar 2017, 13:11

Heute vor 100 Jahren wurde Fred Wander in Wien geboren. Ich stelle mal als Zitat, den in der heutigen Leipziger Volkszeitung dazu veröffentlichten Artikel ein.

"„Die Vergangenheit ist nicht vergangen”
Vor 100 Jahren wurde in Wien der Autor Fred Wander geboren

VON ULF HEISE
Ein Unglück warf Fred Wander 1968 aus der Bahn. Seine elfjährige Tochter Kitty stürzte
beim Spielen in eine Baugrube und wurde von nachrutschenden Erdmassen verschüttet.
Während der Trauer fasste er den Entschluss, einen Roman über das Konzentrationslager
Buchenwald zu schreiben, aus dem ihn im April 1945 US-Soldaten befreiten.
Er erschien 1971 unter dem Titel „Der siebente Brunnen" im Berliner Aufbau-Verlag und gilt bis heute als wichtigstes Buch des Österreichers. Wulf Kirsten sagt über den Autor: „Gegen das Leiden, gegen Methoden der auf Menschenverachtung und Menschenvernichtung gedrillten Bewacher setzt er Lebensgeschichten.
Aus den selbsterzählten Erinnerungen werden Gleichnisse für die Überlebenskraft." Heroische Szenen findet man in diesem Opus nicht, daher verkörpert es das Gegenstück zu Bruno Apitz' „Nackt unter Wölfen" .
Wander, der heute vor 100 Jahren in Wien unter dem Namen Fritz Rosenblatt als Sohn galizischer Juden zur Welt kam, durchlitt eine schwierige Kindheit und Jugend. Sein Vater, der als Handelsvertreter für eine Damenhutfabrik unterwegs war, interessierte sich kaum für ihn und seine Geschwister: „Nie spielte er mit uns, kaum eine Zärtlichkeit. Immer seltener schickte er Geld, und die Mutter verdiente den Unterhalt mühselig mit Näharbeiten für private Kunden, " Schon früh musste Wander seinen Teil zur Ernährung der Familie beisteuern, Mit 14 schmiss er die Schule. Damals entwickelte sich seine Sympathie für geschundene, vom Pech verfolgte Kreaturen: „Ich hatte mich für die Gescheiterten entschieden, für die Leute, die am Boden lagen. Ich fand einfach, dass die Welt vom Tiefparterre gesehen besser zu durchschauen war." Diese Perspektive trug dazu bei, dass er 1950 der KPÖ beitrat. Obwohl er für Zeitungen dieser Partei als Kolumnist und Fotograf arbeitete, mochte er die Hardliner nie. Ralph Giordano brachte die Position seines Kollegen auf den Punkt: „Wander ließ sich nicht vorschreiben, wer seine Freunde sein durften oder nicht. Da kam etwas zum Vorschein, was den ganzen Menschen zeichnete, auszeichnete, etwas Unberührbares: Souveränität."
Auf Empfehlung des Journalisten Bruno Frei bewarb sich Wander 1955 um einen Studienplatz am frisch gegründeten Leipziger „Literaturinstitut Johannes R. Becher" und wurde akzeptiert. Er übersiedelte an die Pleiße, hörte Vorlesungen bei Klemperer, Bloch und Hans Mayer. Auch Georg Maurer und Wieland Herzfelde zählten zu seinen Lehrern.
Gleich in einer der ersten Nächte machte er schlechte Erfahrungen mit der von Braunkohleabgasen verpesteten Luft in der Messestadt: Ich glaubte, ich hätte eine Leiche unter dem Bett- es stank fürchterlich! Als ich aber den Kopf zum Fenster hinaussteckte, merkte ich, der Gestank kam von draußen!"
Nach dem Erwerb des Schriftstellerdiploms blieb Wander in Ostdeutschland. Mit seiner Frau Maxie fasste er in der Intellektuellenkolonie Kleimnadmow nahe Potsdam Fuß. Dort genoss das Paar ein privilegiertes Dasein. Weil beide Ehepartner über österreichische Pässe verfügten, durften sie ungehindert nach Westeuropa reisen. Ihre Touren dokumentierten sie in Reportagen über die Provence, Korsika und Paris. Allerdings haderten sie häufig mit ihrem Extrastatus: „Immer wieder überlegten wir, ob wir die DDR nicht verlassen sollten, es wäre ehrlicher gewesen!"
Doch erst nach dem für ihn traumatischen Krebstod von Maxie rang Wander sich 1983 dazu durch, in seine Geburtsstadt Wien zurückzukehren. Dort starb er 2006 nach quälender Krankheit. Die Martyrien, die er ab 1942 in verschiedenen Vernichtungsstätten der Nazis erduldete, verfolgten ihn bis zuletzt als schwerer Alptraum: „Manchmal erwache ich nachts, setze mich erschrocken im Bett auf und frage mich entsetzt - wo bin ich? In Wien? In Paris? In Marseille, in Berlin oder noch im Lager? Das Zimmer, das ich im Dunkeln nicht erkennen kann, könnte das Lager sein. Immer wieder passiert mir das." Daraus folgerte er: „Die Vergangenheit ist nicht vergangen. Auf dem Hintergrund meines Bewusstseins spiegeln sich die Bilder der Wanderschaft und des Schreckens, wie auf einer Leinwand."
Christa Wolf verhehlte ihre Bewunderung für die Leistung des Kollegen nicht: „Bei Fred Wander kommt zu der moralischen Legitimation des Dabeigewesenen die Legitimation des Schriftstellers, der den Stoff seines Lebens aufschreibt. Er nimmt seine Zeugenschaft ernst: Wenigstens einige aus diesem Heer der Anonymität entreißen, in der man sie umkommen lassen wollte."

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 05.01.2017, Seite 9

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Re: Fred Wander - Überlebender von S III

Beitragvon kps » Donnerstag 5. Januar 2017, 20:33

Danke Ramsay - Der Artikel hat mich sehr interessiert.

... Intellektuellenkolonie Kleimnadmow meint ggf. Kleinmachnow

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Re: Fred Wander - Überlebender von S III

Beitragvon Ramsay » Donnerstag 5. Januar 2017, 21:34

kps hat geschrieben:Danke Ramsay - Der Artikel hat mich sehr interessiert.

... Intellektuellenkolonie Kleimnadmow meint ggf. Kleinmachnow

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Korrekt es ist Kleinmachnow gemeint. Irgenwie beim kopieren nicht richtig übernommen.

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