Mitmachthread-Analysieren und Vernetzen von Zeitzeugenaussag

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Mitmachthread-Analysieren und Vernetzen von Zeitzeugenaussag

Beitragvon Ramsay » Donnerstag 1. Dezember 2011, 19:13

Volwo hat geschrieben:...Um da ein wenig mehr Klarheit reinzubringen, müssten wir, angeregt durch ein Gespräch mit einem namentlich nicht genannten User :D vernetzt arbeiten (Ergänzungen erbeten):
a) die Aussagen und Dokumente des Baustabes Heese in den erwähnten Zeiträumen und
b) die vorhandenen Aussagen und Dokumente der von ihm genannten Firmen nachlesen.
c) alle Aussagen nach vergleichbaren Kriterien, wie z. B. "Speiseraum, Waschraum, Spielraum, Aufenthaltszimmer" o. ä. durchsuchen.


Meiner Meinung nach müsste man erst einmal damit beginnen, wann und wie die Aussagen entstanden sind. Die Aussage Möller liest sich wie eine Schilderung, die er im Zusammenhang macht. Hier ist wichtig, was war der Anlass und was waren die Umstände, wie es zur Aussage kam. Desweiteren wäre wichtig, ob es noch weitere Teile der Aussage gibt. Remdt/Wermusch zitieren ihn auch im "Rätsel Jonastal". Im wesentlichen sind die Passagen identisch bis auf die auf Seite 106/107 stehende:
Zitat:"»Bei meinen Arbeiten in den Stollen sah ich große Stahltüren, die ständig geschlossen gehalten wurden. Auch wir als Elektriker sind hier nicht 'reingekommen.«"
Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass die drei Seiten nicht die alleinige Aussage ist.
Wenn man die Umstände der Aussagenentstehung Möller geklärt hat, muss man die für die Aussage Klinghardt ebenso machen.
Hier schreibst du Volwo, dass ihn ein User interviewt hat. Da ist gemau auf die Fragestellung zu achten, dass nicht Suggestivfragen gestellt worden. Desweiteren müsste man die Art und Weise des Interviews kennen, schriftlich, mündlich, Face to Face oder per Telefon. Auch hier gibt es Möglichkeiten Erwartungshaltungen des Interviewers herüber zu bringen, auf die der Befragte dann bewußt oder unbewußt eingeht.
Wenn diese Frage geklärt sind, dann kann man zu einer direkten Analyse der Aussagen der einzelnen eingehen und dann sind die Fakten gegenüber zu stellen.
Widersprüche führen dann dazu weitere Aussagen in die Überprüfung einzubeziehen, um diese zu überprüfen.
So weit mal etwas zur Theorie, was aber nicht vollständig ist. Die weiteren Felder einer Aussagenanalyse sind noch vielfätiger und die Erklärung würde hier den Rahmen sprengen.

MfG
Ramsay

PS. den Vorschlag vernetzt zu arbeiten, finde ich übrigens nicht schlecht.
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Re: Mitmachthread-Analysieren und Vernetzen von Zeitzeugenau

Beitragvon Volwo » Donnerstag 1. Dezember 2011, 19:21

Das ist genau der richtige Ansatz!


Hier wünsche ich mir jetzt ganz viel Zustimmung und das ihr alle mitmacht.





Ramsay hat geschrieben:und die Erklärung würde hier den Rahmen sprengen..

Nö - immer her damit - das hier ist genau der richtige Rahmen.
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Re: Mitmachthread-Analysieren und Vernetzen von Zeitzeugenau

Beitragvon Ramsay » Donnerstag 1. Dezember 2011, 19:52

Na dann mal weiter:

Prüfung des Inhaltes der Aussage - Aussage muss in sich schlüssig sein. Dabei kann es selbst widersprüchliche Passagen geben, die sich jedoch erklären lassen. Zum einen weil der Befragte bereits bei der Wahrnehmung Fehler gemacht hat, zum, anderen weil er bei der Wiedergabe Fehler machte. Gerade bei der Wahrnehmung spielen Lebenserfahrungen eine große Rolle. Durch sie werden Aussagen stark reflektiert. Auch durch das Aufmerksamkeitsverhalten des Betroffenen kann es zu Fehlleistungen kommen. Insbesondere auch wenn dieser unter straken und länger anhaltenden psychischen Druck steht.
Auch spielt der Zeitraum zwischen Wahrnehmung und Aussage eine entscheidende Rolle. Gerade hier kann die tatsächliche Wahrnehmung nicht nur verblassen, sondern es besteht andererseits auch das Phänomen, dass sie unbewusst angereichert wird. Dies kann durch Informationen, die der Betroffene in der Folge im Sachzusammenhang erhalten hat geschehen.


Nach Klärung dieser Fragen - ja die Psychologie spielt eine wesentliche Rolle - kann man in die Detailklärung eintreten.

Dort wird zunächst die Aussage in ihre Bestandteile zerlegt. Dabei wird wesentliches von Füllstoff getrennt.
Die wesentlichen Details sind dann die Grundlage für die weitere Überprüfung. Diese werden mit anderen Aussagen verglichen. Dabei ist aber zu beachten, dass diese Aussagenden ein ganz anderes Wahrnehmungs- und Darlegungsverhalten haben.

Jetzt erkannt man Widersprüche, Übereinstimmungen, teilweise Abweichungen sowie neue Informationen. Diese sind die Grundlagen für weitere Überprüfungen.
Dabei sind neben weiteren Aussagen auch objektive Beweise mit einzubeziehen.

Irgendwann gelingt es dann die Aussage zu verifizieren bzw. aufzuzeigen, dass ihr Inhalt unglaubwürdig bzw. bewusst falsch ist.

Soviel zum Thema.

MfG
Ramsay
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Re: Mitmachthread-Analysieren und Vernetzen von Zeitzeugenau

Beitragvon Silko » Freitag 2. Dezember 2011, 09:25

Zum Thema Vernetzung - was ich immer wieder begrüße - mal wieder die alte Diskussion aus 2007 hochgeholt:

viewtopic.php?f=23&t=2362

Damals ging es um Datenerfassung zum Thema Häftlingskartei. Das lässt sich in alle möglichen Anwendungsbereiche transportieren - so auch Zeitzeugen-Aussagen - und letztlich nach 4 Jahren fortschreitender Technik auch vernünftig umsetzen.
Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen. (Erasmus von Rotterdam)
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